Schauplatz Bauernhof St. Georg
ASCHEBERG - Die große Wiese des Bauernhofs St. Georg wurde am Wochenende zum Ort für DDR- und Auto-
Nostalgiker. Rund 160 Trabis knatterten am Freitag und Samstag zum „Trabi- und Ostfahrzeugtreffen“ durch
Ascheberg. Viele Trabi-Fans und -Freunde kamen dazu mit ihren alten Rennpappen.

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Nichts war wie sonst an diesem Wochenende auf der großen Wiese des Bauernhofes St. Georg. Dort, wo sonst Kühe weiden und Gänse
schnattern, hatte sich ein Hauch von DDR breit gemacht. Rennpappen, urige Wohnmobile und echte Raritäten an Zweirädern prägten das
Bild. Mittendrin einige Händler, die Ersatzteile zum Verkauf anboten.
„Sie sind technisch einfach und simpel ausgestattet – aber optisch und akustisch reizvoll. Man versteht die Technik der Fahrzeuge, das
macht das Besondere am Trabi aus“, erklärte Gero Bastian vom Organisations-Team des Trabant-Clubs Sputnik.
Ein beiger Trabi ist das Herzstück von Oliver Hempowitz aus Jülich. „1998 habe ich das Auto gekauft und von Grund auf mit meiner Familie
restauriert. Ich kenne jede einzelne Schraube an dem Auto“, erklärt er. Auf die Frage, warum er sich gerade für Trabis interessiert, antwortete
der 39-Jährige promt: „Weil Briefmarken sammeln für mich zu langweilig war. Außerdem habe ich als Kind schon lieber auf dem
Autoschrottplatz meines Opas gespielt als irgendwo anders.“

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Feuerwehr-Auto, Wohnwagen, Schwalben, Ersatzteile oder einfach das Fachsimpeln mit Gleichgesinnten:
Das 23. Trabbi-Treffen in Ascheberg wurde wieder einmal zu einem Fest für Nostalgiker.
Ein roter Trabantbau-Anhänger parkte ein Stückchen weiter
hinter den Zelten. „Der hat uns schon gute Dienste erwiesen. Als unser Sohn noch klein war, haben wir zu dritt hier
drinnen geschlafen“, erinnerte sich Holger Etze aus Saarbrücken, der eigens für das Ascheberger Trabi-Treffen rund 400
Kilometer auf sich genommen hatte. Mit seinem roten Trabi darf er den 250 Kilo schweren Trabantbau-Anhänger ziehen.
„Seit zwölf Jahren haben wir diesen Anhänger. Ursprünglich wollten wir uns einen Wohnwagen kaufen, aber als ich
diesen Anhänger gesehen habe, wusste ich, dass ich keinen Wohnwagen mehr haben möchte.“
Vor einem kleinen weißen Wohnwagen war eine Reihe echter Ossi-Raritäten aufgebaut: Simson Schwalben. Dann
startete ein blauer Trabi – röhrend und knatternd. Der Zweitaktmotor zog eine weiße Qualmspur hinter sich her und
hinterließ den typischen Geruch aus dem Gemisch Benzin und Zweitaltöl.
Unterdessen greift Uwe Lütgehetmann aus Witten zum Schraubenzieher und legt Hand an sein Löschfahrzeug aus
Luckenwalde. „Der Löschwagen funktioniert einwandfrei. Ich war vor acht Wochen mit dem Fahrzeug noch im vom
Hochwasser betroffenen Suhl und habe dort mitgeholfen. Die Leute waren berührt, als sie mein altes Feuerwehr-Auto
gesehen haben. Das weckt schon Erinnerungen an alte Zeiten.“
Die Ossi-Fahrzeuge bestechen vor allem durch Nostalgie, Leichtigkeit und technisch einfachste Ausführung. „Das Treffen
in Ascheberg ist wie ein großes Familientreffen, deshalb freuen wir uns auch jedes Jahr darauf, wieder hierher zu
kommen“, stellte Gero Bastian am Ende des Tages fest. - isa
Bei der Sputnikiade galt es Zündkerzen auf Zeit zu wechseln. Foto: Tina Ntische (Foto: Bettina Nitsche)
Das hat Stil“, sagt Thomas Wentker und lässt sich in die Ledersitze des Tschaika gleiten. Er winkt majestätisch.
Die ungarische Nobelkarosse fällt auf beim 23. Trabi-Tag am Samstag auf dem Gelände des Bauernhofes St. Georg.
Auf Hochglanz poliert, eher puristisch in seiner Ausführung, dennoch edel und mit einem Radio ausgestattet.
So präsentiert sich dieses Fahrzeug: eine echte Rarität. „Tschaika heißt übersetzt Möwe“, erklärt Rudolf Roggenbuck, der
die schwarze Limousine, die früher ungarische Staatsoberhäupter transportierte, direkt nach der Wende von einem
ungarischen Beamten gekauft hatte.
Roggenbuck hat ein Faible für die Ostfahrzeuge, hat zu Hause sogar den Tatra 613 von Honecker stehen. „Den habe ich
seinem Hausarzt abgekauft.“ Die Fahrzeuge hat er selbst restauriert. „Sie sind äußerst sparsam im Verbrauch“, verrät
Roggenbuck. Er hat seine „Möwe“ so umgebaut, dass sie mit Altspeiseöl läuft.
Rund 150 ostalgische Schätzchen hatten den Weg nach Ascheberg gefunden, wo der Trabant-Club-Sputnik zum fünften
Mal zum großen Trabi-Tag geladen hatte. „Der fünfte in Ascheberg und insgesamt die 23. Auflage“, erläutert Thomas Wentker
vom Club.
Trabis in leuchtenden Farben reihen sich auf der Wiese aneinander, Zweiräder wie einige alte Simsons oder MZs drehen
dazwischen knatternd ihre Runden. Am hinteren Ende parken Fahrzeuge, die einst bei der Nationalen Volksarmee ihren Dienst
getan hatten.
Zwölf Stunden Anreise
Schräg gegenüber parkt der Trabant 11 von Peter Rudzok und Torsten Stottko, dessen Aufmachung davon zeugt, dass er noch
heute regelmäßig auf Rallye-Strecken unterwegs ist. Mittendrin versucht Jonas den Rekord im Zündkerzenwechsel, eine Disziplin
bei der Sputnikiade, zu knacken.